Alleinerziehend durch die Trotzphase: Wie ich Überforderung im Alltag vermeide

2026.04.30
Alleinerziehend durch die Trotzphase: Wie ich Überforderung im Alltag vermeide

Mila liegt auf dem klebrigen Linoleum im Konsum in der Neustadt und schreit, als gäbe es kein Morgen mehr. Warum? Weil ich die Banane „falsch“ geschält habe. In diesem Moment starren mich drei Leute an, mein Abgabetermin für einen französischen Roman drückt im Nacken und ich möchte mich einfach danebenlegen.

Hinweis: Bevor ich dir von meinem Chaos erzähle: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich teile hier nur die Programme und Kurse, die ich wirklich selbst nachts am Küchentisch ausprobiert habe, während Mila endlich schlief. Meine komplette Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.

Wenn das „Nein!“ zum Soundtrack wird

Wir stecken jetzt seit etwa zwei Monaten mitten in dieser Phase, in der alles ein Grundsatzstreit ist. Mila ist jetzt 43 Monate alt – also drei Jahre und sieben Monate – und sie hat eine Ausdauer, die ich mir für meine Übersetzungsarbeiten wünschen würde. Jeder Schuh im Flur ist ein potenzielles Schlachtfeld. Letzten Mittwoch haben wir zwanzig Minuten darüber diskutiert, ob die blauen Socken „zu laut“ sind. Ich wusste nicht mal, dass Socken eine Lautstärke haben können.

Als Alleinerziehende in der Dresdner Neustadt ist mein Alltag sowieso ein Drahtseilakt. Vormittags versuche ich, die Eleganz französischer Prosa ins Deutsche zu retten, und nachmittags versuche ich zu verstehen, warum ein schief geschnittenes Brot eine existenzielle Krise auslöst. Es gibt niemanden, dem ich das Kind mal kurz in die Hand drücken kann, wenn ich merke, wie sich dieser spezifische Druck in meinem Kiefer aufbaut – dieses Ziehen, wenn ich das vierzehnte „Nein!“ vor dem Frühstück höre.

Ich habe mich oft gefragt, was die Nachbarn denken. Ob sie glauben, ich tue ihr was weh, oder ob sie einfach nur hören, wie jeden Morgen um 7:00 Uhr das gleiche „Ich will aber die blauen Socken!“ durch das Treppenhaus schallt. Man fühlt sich so furchtbar beobachtet und gleichzeitig so verdammt allein mit dieser Wut eines kleinen Menschen.

Der erste (gescheiterte) Rettungsversuch

Anfang Februar, nach einer besonders schlimmen Woche, in der ich fast nur geheult habe, habe ich impulsiv das Trotzphase Videoseminar gekauft. Es kostete etwa 40 Euro und war mit seinen 28 Minuten Laufzeit genau das, was ich dachte zu brauchen: eine schnelle Lösung. Ich saß um 23:15 Uhr vor dem Laptop, das blaue Licht spiegelte sich in meinem kalten Earl Grey, und ich wollte einfach nur, dass mir jemand sagt, was ich tun soll.

Aber die Wahrheit ist: Wenn man chronisch übermüdet ist, helfen 28 Minuten Theorie nicht viel. Ich war viel zu erschöpft, um den ersten Schritt überhaupt umzusetzen. Es war eine gute Übersicht, aber für jemanden, der keine emotionale Reserve mehr hat, fühlte es sich an wie eine Bedienungsanleitung für ein Flugzeug, während man bereits im Sturzflug ist. Wenn man als Alleinerziehende keine Entlastung hat, scheitern diese Standard-Tipps oft an der schieren Unmöglichkeit, emotional konsistent zu bleiben, wenn man seit drei Nächten nicht mehr als vier Stunden am Stück geschlafen hat.

Warum Struktur für mich die Rettung war

Ich habe gemerkt, dass ich keinen Quick-Fix brauche. Ich brauche einen Wegweiser, der mich länger an die Hand nimmt. Mitte März habe ich dann mit dem Elternförderprogramm begonnen. Was mich überzeugt hat, war der strukturierte 3-Monats-Weg. Ich brauche keine Tipps, ich brauche ein System, das mich durch diese 90 Tage leitet, ohne dass ich selbst noch groß nachdenken muss.

Das Programm deckt die Jahre 1 bis 4 komplett ab, was für mich super ist, weil ich weiß, dass nach der aktuellen Autonomiephase wahrscheinlich das nächste Thema um die Ecke kommt. Ich investiere jetzt jeden Abend etwa 15 Minuten, wenn Mila schläft. Das ist machbar, selbst wenn mein Gehirn vom Übersetzen von Balzac-Sätzen Matsch ist.

Was sich verändert hat (und was nicht)

Mila sagt immer noch „Nein“. Sie wirft sich immer noch im Konsum auf den Boden. Aber mein Puls bleibt niedriger. Ich habe gelernt, dass meine Überforderung oft daher kommt, dass ich versuche, wie eine „normale“ Familie zu funktionieren, in der einer den anderen ablösen kann. Aber ich bin das ganze Team. Ich bin die Abwehr, das Mittelfeld und der Sturm.

Ein paar Dinge, die ich jetzt anders mache:

Falls du gerade in einer ähnlichen Situation bist, schau dir vielleicht mal meinen Bericht zu Woche 1 der Nein-Phase an oder wie ich versuche, mit den bösen Blicken im Supermarkt umzugehen. Es hilft so sehr zu wissen, dass man nicht die Einzige ist, die nachts kalten Tee trinkt und sich fragt, ob man das alles schafft.

Sonntagabend-Fazit

Es ist jetzt 22:45 Uhr. Mila atmet schwer und gleichmäßig im Nebenzimmer. Die S-Bahn rattert draußen durch die Kurve an der Albertstraße. Mein Tee ist, wie immer, eiskalt. Aber ich habe heute Abend schon mein Modul für morgen gelesen und weiß, wie ich die nächste Schuh-Debatte angehen will. Das Elternförderprogramm ist für mich als Alleinerziehende eine echte Stütze geworden, weil es mir die Sicherheit gibt, die mir im Alltag oft fehlt.

Wir sind keine Erziehungsexperten. Wir sind einfach nur Eltern, die versuchen, ihre Kinder durch diese wilde Zeit zu begleiten, ohne dabei den Verstand zu verlieren. Und manchmal ist ein strukturierter Plan genau das, was man braucht, um am nächsten Morgen wieder mit einem Lächeln (und vielleicht zwei verschiedenen Socken) aufzustehen.