Alleinerziehend durch die Trotzphase: Wie ich Überforderung im Alltag vermeide

2026.04.30
Zuletzt aktualisiert
Alleinerziehend durch die Trotzphase: Wie ich Überforderung im Alltag vermeide

Mila liegt auf dem klebrigen Linoleum im Konsum in der Neustadt und schreit, als gäbe es kein Morgen mehr. Warum? Weil ich die Banane „falsch“ geschält habe – offenbar war der obere Teil für sie heilig. In diesem Moment starren mich drei Leute an, mein Abgabetermin für einen französischen Roman von 1920 drückt im Nacken und ich möchte mich einfach danebenlegen und mitschreien.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision – für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich teile hier nur Programme und Kurse, die ich wirklich selbst nachts am Küchentisch ausprobiert habe, während Mila endlich schlief und ich die Reste meines kalten Tees trank. Meine komplette Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.

Wenn das „Nein!“ zum Soundtrack wird

Wir stecken jetzt seit etwa zwei Monaten mitten in dieser Phase, in der alles ein Grundsatzstreit ist. Mila ist jetzt drei Jahre und sieben Monate alt – also genau 43 Monate geballte Willenskraft – und sie hat eine Ausdauer, die ich mir für meine Übersetzungsarbeiten wünschen würde. Jeder Schuh im Flur ist ein potenzielles Schlachtfeld. Letzten Mittwoch haben wir zwanzig Minuten darüber diskutiert, ob die blauen Socken „zu laut“ sind. Ich wusste nicht mal, dass Socken eine Lautstärke haben können, aber in Milas Welt schrien sie wohl.

Als Alleinerziehende hier in Dresden-Neustadt ist mein Alltag sowieso ein Drahtseilakt. Vormittags versuche ich, die Eleganz französischer Prosa ins Deutsche zu retten, und nachmittags versuche ich zu verstehen, warum ein schief geschnittenes Brot eine existenzielle Krise auslöst. Es gibt niemanden, dem ich das Kind mal kurz in die Hand drücken kann, wenn ich merke, wie sich dieser spezifische Druck in meinem Kiefer aufbaut – dieses Ziehen, wenn ich das vierzehnte „Nein!“ vor dem ersten Kaffee höre.

Ich habe mich oft gefragt, was die Nachbarn denken. Ob sie glauben, ich tue ihr was weh, oder ob sie einfach nur hören, wie jeden Morgen das gleiche Drama durch das Treppenhaus schallt. Man fühlt sich so furchtbar beobachtet und gleichzeitig so verdammt allein mit dieser Wut eines kleinen Menschen. Es ist ein bisschen wie das Übersetzen ohne Wörterbuch – man versteht den Kontext, aber die richtigen Worte, um die Situation zu entschärfen, fehlen einem einfach.

Nahaufnahme eines französischen Romans und einer kalten Tasse Tee auf einem Holztisch bei Lampenlicht.

Der erste (fast gescheiterte) Rettungsversuch

Anfang April, nach einer besonders schlimmen Woche, in der ich fast nur geheult habe, habe ich impulsiv das Trotzphase Videoseminar gekauft. Es kostete etwa vierzig Euro und war mit seiner kurzen Laufzeit genau das, was ich dachte zu brauchen: eine schnelle Lösung. Ich saß spät abends vor dem Laptop, das blaue Licht spiegelte sich in meinem kalten Earl Grey, und ich wollte einfach nur, dass mir jemand sagt, was ich tun soll.

Aber die Wahrheit ist: Wenn man chronisch übermüdet ist, helfen dreißig Minuten Theorie nicht viel. Ich war viel zu erschöpft, um den ersten Schritt überhaupt umzusetzen. Es war eine gute Übersicht, um zu verstehen, was in Milas Kopf vorgeht – diese ganze Autonomiephase ist ja eigentlich ein neurologisches Wunder, aber erklär das mal deinen Nerven im Supermarkt. Für jemanden, der keine emotionale Reserve mehr hat, fühlte es sich an wie eine Bedienungsanleitung für ein Flugzeug, während man bereits im Sturzflug ist.

Trotzdem war es ein wichtiger Anker. Es hat mir geholfen, Milas „Nein“ nicht mehr als persönlichen Angriff gegen meine Autorität zu sehen, sondern als Entwicklungsschritt. Ein kleiner Trost, wenn man gerade die dritte Garnitur Wechselwäsche einpackt, weil das Kind aus Protest in eine Pfütze gesprungen ist. Wer tiefer graben will, dem habe ich in meinem Tagebuch auch aufgeschrieben, warum ein Trotzphase Videoseminar mir half, das Ganze überhaupt erst mal einzuordnen.

Warum Struktur für mich die Rettung war

Ich habe gemerkt, dass ich keinen Quick-Fix brauche. Ich brauche einen Wegweiser, der mich länger an die Hand nimmt, weil mein Akku als Alleinerziehende einfach nie voll wird. Mitte April habe ich dann mit dem Elternförderprogramm begonnen. Was mich überzeugt hat, war der strukturierte Weg über drei Monate. Ich brauche keine losen Tipps, ich brauche ein System, das mich leitet, ohne dass ich selbst noch groß nachdenken muss.

Das Programm deckt die Jahre eins bis vier komplett ab, was für mich super ist, weil ich weiß, dass nach der aktuellen Phase wahrscheinlich das nächste Thema um die Ecke kommt. Ich investiere jetzt fast jeden Abend etwa fünfzehn Minuten, wenn Mila schläft. Das ist machbar, selbst wenn mein Gehirn vom Übersetzen von Balzac-Sätzen Matsch ist. Es ist mein kleiner Anker in der Nacht, bevor ich ins Bett falle.

Was sich verändert hat (und was nicht)

Mila sagt immer noch „Nein“. Sie wirft sich immer noch im Konsum auf den Boden. Aber mein Puls bleibt niedriger. Ich habe gelernt, dass meine Überforderung oft daher kommt, dass ich versuche, wie eine „normale“ Familie zu funktionieren, in der einer den anderen ablösen kann. Aber ich bin das ganze Team. Ich bin die Abwehr, das Mittelfeld und der Sturm. Und wenn der Sturm gerade ein Trotzanfall ist, muss die Abwehr eben besonders stabil stehen.

Ein paar Dinge, die ich jetzt anders mache:

Falls du gerade ähnliche Kämpfe ausfechtest, schau dir vielleicht mal an, wie ich versuche, wenn das Kind alles alleine machen will, ruhig zu bleiben, oder lies meine Gedanken darüber, wie lange die Trotzphase wirklich dauert. Spoiler: Es ist ein Marathon, kein Sprint.

Sonntagabend-Fazit

Es ist jetzt spät am Abend. Mila atmet schwer und gleichmäßig im Nebenzimmer, ein kleiner Engel, dem man die Wutausbrüche vom Nachmittag kaum ansieht. Die S-Bahn rattert draußen durch die Kurve an der Albertstraße. Mein Tee ist, wie immer, eiskalt. Aber ich habe heute Abend schon mein Modul für morgen gelesen und weiß, wie ich die nächste Schuh-Debatte angehen will.

Das Elternförderprogramm ist für mich als Alleinerziehende eine echte Stütze geworden, weil es mir die Sicherheit gibt, die mir im Alltag oft fehlt. Wir sind keine Erziehungsexperten. Wir sind einfach nur Eltern, die versuchen, ihre Kinder durch diese wilde Zeit zu begleiten, ohne dabei den Verstand zu verlieren. Und manchmal ist ein strukturierter Plan genau das, was man braucht, um am nächsten Morgen wieder mit einem Lächeln (und vielleicht zwei verschiedenen Socken) aufzustehen.

Wenn du das Gefühl hast, du ruderst nur noch gegen den Strom, schau dir das Programm mal an. Es nimmt dir nicht die Arbeit ab, aber es gibt dir eine Karte für dieses unbekannte Terrain. Und manchmal ist das schon die halbe Miete, um nicht selbst auf dem Supermarktboden zu landen.