Trotzphase und Sauberwerden bewältigen: Wenn das Töpfchen zum Machtkampf wird

2026.06.15
Trotzphase und Sauberwerden bewältigen: Wenn das Töpfchen zum Machtkampf wird

Es ist spät am Sonntagabend in meiner kleinen Küche in der Dresdner Neustadt. Ich starre auf eine kleine, verräterische Pfütze auf dem Parkett, direkt neben dem ungenutzten grünen Plastiktöpfchen, und trinke die Resthälfte von meinem mittlerweile eiskalten Earl Grey. Mila schläft endlich — nach einer Diskussion über die Farbe ihres Schlafanzugs, die sich anfühlte wie eine UN-Sicherheitsratssitzung, nur mit mehr Tränen.

Bevor ich euch von unserem neuesten Drama erzähle: In diesem Text sind Affiliate-Links enthalten. Wenn ihr darüber etwas kauft, erhalte ich eine Provision, ohne dass es für euch teurer wird. Ich empfehle hier nur Dinge, die ich selbst in den letzten Monaten zwischen Übersetzungs-Deadlines und Trotzanfällen ausprobiert habe. Meine komplette Offenlegung findet ihr auf der Über-mich-Seite.

Mila ist jetzt drei Jahre und sieben Monate alt. Seit etwa acht Wochen befinden wir uns in einer Phase, in der das Wort „Nein!“ nicht nur eine Antwort, sondern eine Lebenseinstellung ist. Aber das Thema Sauberwerden? Das ist die Endgegner-Stufe. Eigentlich dachte ich, wir wären so weit. Mila wollte keine Windeln mehr, sie fand sich „groß“. Aber dann kam die Autonomiephase mit voller Wucht um die Ecke gerauscht.

Zwei Welten prallen aufeinander: Flaubert und volle Hosen

Mein Alltag als freiberufliche Literaturübersetzerin besteht normalerweise daraus, die feinen Nuancen französischer Romane ins Deutsche zu übertragen. Ich sitze am Schreibtisch, suche nach der perfekten Metapher für Sehnsucht, während Mila im Nebenzimmer entscheidet, dass das Töpfchen heute der personifizierte Feind ist. Es ist ein bizarrer Kontrast. Wenn ich komplexe französische Metaphern von Flaubert entschlüsseln kann, warum verstehe ich dann nicht, warum diese blauen Socken heute „böse“ sind und warum das Töpfchen plötzlich mit Angstschreien quittiert wird?

An einem verregneten Dienstagnachmittag letzte Woche eskalierte es völlig. Ich hatte eine knappe Deadline, der Kopf war voll mit Vokabeln, und Mila weigerte sich seit Stunden, auch nur in die Nähe des Badezimmers zu gehen. „Mila, möchtest du mal probieren?“ — „NEIN! NIEMALS! GEH WEG, MAMA!“

Als Alleinerziehende im Homeoffice stehe ich unter einem Zeitdruck, den man schwer erklären kann. Wenn das Sauberwerden zum Machtkampf wird, destabilisiert das nicht nur den Vormittag, sondern meinen gesamten Arbeitsrhythmus. Ich habe keinen Partner, der mal eben übernimmt, wenn ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehe. Ich bin diejenige, die den Geruch von kaltem Earl Grey Tee vermischt mit dem leicht säuerlichen Duft von Reinigungsmittel auf dem Parkettboden wegwischen muss, während die S-Bahn draußen vor dem Fenster quietscht und mich daran erinnert, dass die Welt sich weiterdreht, auch wenn bei uns gerade die Welt untergeht.

Nahaufnahme eines Parkettbodens mit einer Pfütze und einem Putzlappen im warmen Licht.

Der Gummibärchen-Fail und die Erkenntnis

Ich gestehe es: Ich war verzweifelt. Ich habe Dinge getan, von denen jede pädagogische Fachliteratur abrät. Ich habe versucht, Mila mit einem Gummibärchen auf das Töpfchen zu locken. Ein klassischer Bestechungsversuch. Mila nahm das Gummibärchen entgegen, schaute mich mit ihren großen braunen Augen an und versenkte es dann feierlich in der Toilette. „Bärchen badet“, sagte sie staubtrocken. Kein Pipi. Nur ein Gummibärchen im Abfluss.

In diesem Moment spürte ich dieses vertraute, flaue Gefühl im Magen und die flache Atmung, die ich immer bekomme, sobald Mila im Supermarkt tief Luft holt, um zum nächsten „Nein!“ anzusetzen. Ich saß auf dem Fliesenboden und wollte einfach nur weinen. Wir sind oft in Situationen, die mich völlig überfordern, wie ich auch schon in meinem Bericht über den Wutanfall nach der Kita beschrieben habe. Aber das Töpfchen-Thema fühlte sich persönlicher an, wie ein Scheitern auf ganzer Linie.

Nach der dritten Verweigerung in Folge an diesem Abend wusste ich, dass ich Hilfe brauche, die schnell geht. Ich habe keine Zeit für dicke Wälzer über Kinderpsychologie. Ich brauchte etwas, das ich zwischen zwei Absätzen meiner Übersetzung schauen konnte.

28 Minuten, die meinen Blick veränderten

Ich stieß auf das Trotzphase Videoseminar. Ehrlich gesagt war ich skeptisch. Was sollen 28 Minuten schon ausrichten? Aber das Seminar ist seit 8.7 Jahren am Markt und hat sich wohl genau deshalb bewährt, weil es so kompakt ist. Es war das erste Mal, dass mir jemand — ohne den erhobenen Zeigefinger — erklärt hat, dass es beim Sauberwerden in dieser Phase oft gar nicht um die Blase geht. Es geht um Macht. Es geht um Autonomie.

Mila merkt, dass sie über ihren Körper bestimmen kann. Und mein Drängeln (weil ich ja will, dass sie in der Kita „trocken“ ist und ich weniger Wäsche habe) ist für sie wie ein Angriff auf ihre Freiheit. Das Seminar hat mir geholfen zu verstehen, dass jeder Druck den Widerstand nur erhöht. Es ist ein bisschen wie beim Übersetzen: Wenn man ein Wort erzwingt, klingt der Satz am Ende hölzern. Man muss den Text atmen lassen.

Ich versuche jetzt öfter, die Gewaltfreie Kommunikation anzuwenden, auch wenn mir die Ich-Botschaften in der Hitze des Gefechts immer noch schwerfallen. Ein Anbieter, der das seit über 10 Jahren macht, ist Konfliktleichtigkeit für Familien. Das ist mein nächstes Projekt, wenn ich wieder etwas mehr Luft im Kopf habe. Manchmal hilft es auch, sich gegen ungefragte Erziehungstipps von außen abzugrenzen, um den eigenen Weg mit dem Kind zu finden.

Warum Perfektionismus beim Sauberwerden scheitert

Was ich in den letzten Wochen gelernt habe: Es gibt keinen festen Zeitplan. Mila ist drei Jahre und sieben Monate alt, und wenn sie noch drei Monate Windeln braucht, dann ist das eben so. Der Versuch, das Sauberwerden in meinen straffen Zeitplan als Alleinerziehende zu pressen, war der eigentliche Fehler. Wir navigieren jetzt mit weniger Druck durch den Alltag. Wenn es klappt, feiern wir. Wenn es auf den Boden geht, wische ich es weg, ohne einen Vortrag zu halten (meistens jedenfalls).

Es gibt auch das Elternförderprogramm, das einen über 3 Monate begleitet. Das klingt toll für Leute, die eine Schritt-für-Schritt-Anleitung brauchen. Für mich als Freiberuflerin ist das momentan finanziell und zeitlich eine große Hürde, aber ich behalte es im Hinterkopf für die Phase, wenn die Trotzphase vielleicht in die nächste Stufe geht.

Heute Abend gab es keinen Machtkampf. Mila wollte eine Windel, ich habe „Okay“ gesagt. Sie hat mich angelächelt, mir einen Kuss auf die Nase gegeben und ist eingeschlafen. Die Pfütze auf dem Parkett ist weggeputzt. Der Tee ist immer noch kalt. Aber mein Herz ist ein bisschen leichter.

Falls ihr auch gerade zwischen Pfützen und Trotzanfällen feststeckt: Atmet durch. Es geht nicht nur euch so. Wenn ihr eine schnelle Orientierung sucht, schaut euch das kurze Trotzphase Videoseminar an — mir hat es geholfen, den Druck rauszunehmen, wenn die Zeit mal wieder gegen mich arbeitete. Wir schaffen das, eine Pfütze nach der anderen.