| Begriff | Definition und Merkmale |
|---|---|
| Autonomiephase | Ein entwicklungspsychologischer Meilenstein. Laut BZgA treten typische Trotzreaktionen meist ab der Mitte des zweiten Lebensjahres gehäuft auf und werden nach dem dritten Lebensjahr in der Regel seltener (BZgA). Das Kind entwickelt ein Ich-Bewusstsein und den Wunsch nach Selbstbestimmung, stößt dabei jedoch oft an kognitive oder motorische Grenzen. |
| Co-Regulation | Der Prozess, bei dem eine erwachsene Bezugsperson hilft, die Stressreaktionen eines Kindes „abzupuffern" — weil Kinder in den ersten Lebensjahren nur bedingt zur Selbstregulation fähig sind (NIFBE). Diese Fähigkeit zur Ko-Regulation hängt laut dem Fachtext eng mit dem eigenen Wohlbefinden der Bezugsperson zusammen — an schlechten Tagen merkt man das. |
| Selbstregulation | Die Fähigkeit, eigene Gefühle, Impulse und Aufmerksamkeit eigenständig zu steuern. Kinder sind laut NIFBE in den ersten Lebensjahren dafür nur bedingt in der Lage und auf die Unterstützung ihrer Bezugspersonen angewiesen (NIFBE); diese Kompetenz entwickelt sich graduell aus wiederholter Co-Regulation heraus. |
| Wutanfall (Affektsturm) | Eine heftige emotionale Reaktion auf Frustration oder Überforderung. Laut MSD Manual treten Wutanfälle typischerweise am Ende des ersten Lebensjahres auf, sind am häufigsten im 2.–4. Lebensjahr und werden nach dem 5. Lebensjahr seltener (MSD Manual). Dauern sie regelmäßig länger als 15 Minuten oder treten mehrmals täglich auf, ist laut Quelle ein zugrunde liegendes Problem wahrscheinlicher — reiner Trotz ist es dann meist nicht mehr. |
| Präfrontaler Kortex | Der Teil des Stirnlappens im Gehirn, der für Logik, Planung und Impulskontrolle zuständig ist. Er reift laut SimplyScience erst mit etwa 25 Jahren vollständig aus (SimplyScience) — in der Autonomiephase ist er entsprechend noch weit von seiner vollen Kapazität entfernt, was zumindest neurologisch erklärt, warum Verhandlungen mit einer Dreijährigen selten etwas bringen. |
| Amygdala (Mandelkern) | Ein Kerngebiet im Temporallappen, das zum limbischen System gezählt wird. Laut dasGehirn.info bewertet die Amygdala den emotionalen Gehalt einer Situation und reagiert besonders auf Bedrohung (dasGehirn.info). |
| Exekutive Funktionen | Kognitive Kontrollprozesse, die zielgerichtetes Handeln ermöglichen. Dazu gehören laut socialnet.de das Arbeitsgedächtnis, die kognitive Flexibilität und die Inhibition, also Impulshemmung (socialnet). Ihre Entwicklung beginnt im frühen Säuglingsalter und zieht sich laut Quelle bis in die mittleren 20er-Jahre der Heranwachsenden. |
| Spiegelneuronen | Nervenzellen, die sowohl beim Ausführen einer Handlung als auch beim Beobachten derselben Handlung bei einer anderen Person aktiv werden (Wikipedia). Seit ihrer Entdeckung 1992 wird laut Quelle diskutiert, ob sie an Nachahmung und Empathie beteiligt sind — ein Zusammenhang, der wissenschaftlich nicht abschließend geklärt ist, was ich ehrlich gesagt beruhigend finde, weil es nicht alles an mir liegen kann. |
| Bindungstheorie | Ein von John Bowlby begründetes Konzept. Kinder haben demnach ein angeborenes Bedürfnis nach Nähe und Schutz durch ihre Bezugspersonen (Studyflix). Eine sichere Bindung fördert laut Quelle die emotionale Stabilität, eine unsichere erhöht das Risiko für spätere Beziehungsprobleme. |
| Bedürfnisorientierung | Ein Erziehungsansatz, oft „Attachment Parenting" oder bindungsorientierte Erziehung genannt: Bezugspersonen verbringen möglichst viel Zeit in körperlicher Nähe zum Kind und reagieren maximal responsiv auf seine Signale (Wikipedia). |
Sources
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Kindliches Trotzverhalten – wie damit umgehen?
- NIFBE: KiTa-Fachtext – Selbstregulation und Ko-Regulation in der Kita
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Kindliche Wutanfälle
- SimplyScience: Die Entwicklung des Gehirns
- dasGehirn.info: Das limbische System
- socialnet Lexikon: Exekutive Funktionen
- Wikipedia: Spiegelneuron
- Studyflix: Bindungstheorie Bowlby
- Wikipedia: Attachment Parenting