Schimpfwörter bei Kleinkindern: Wie ich ruhig auf Provokation reagiere

2026.09.08
Schimpfwörter bei Kleinkindern: Wie ich ruhig auf Provokation reagiere

Mitte Juli, ein schwüler Nachmittag im Supermarkt in der Dresdner Neustadt. Mila sitzt im Einkaufswagen und schleudert mir ein lautstarkes „Kacka-Mama“ entgegen, nur weil ich die falschen Nudeln gegriffen habe – also die mit den Spiralen statt der Röhren. Die Blicke der anderen Kunden brennen in diesem Moment mehr als die Hitze draußen vor der Tür.

Ich übersetze Romane über die Komplexität menschlicher Beziehungen, über die feinen Nuancen französischer Melancholie, aber ich scheitere an der Kommunikation mit einem Menschen, der noch Saugflaschen benutzt. In diesem Moment spürte ich dieses plötzliche, heiße Stechen im Nacken, als die Kassiererin im Bioladen mich mitleidig ansah, während Mila nun auch noch „Blöde Kuh“ skandierte. Ich wollte eigentlich nur Nudeln kaufen und nicht zur Zielscheibe kindlicher Eloquenz werden.

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Worte als Waffe – und mein kläglicher Versuch der Aufklärung

Mila ist jetzt drei Jahre und sieben Monate alt. Seit etwa zwei Monaten steckt sie mitten in dieser Phase, in der jedes Wort eine Provokation sein kann. Als Literaturübersetzerin arbeite ich den ganzen Tag mit Worten, aber gegen die rohe Gewalt eines dreijährigen Schimpfwort-Gewitters bin ich oft sprachlos. Der Kontrast zwischen Flaubert-Sätzen und dem Vokabular einer Dreijährigen könnte nicht größer sein.

Vor etwa drei Wochen hatte ich einen dieser Momente, die man am liebsten aus dem Gedächtnis streichen würde. Mila schrie im Treppenhaus ein Wort, das sie wohl im Kindergarten aufgeschnappt hatte. Mein kläglicher Versuch, ihr die etymologische Herkunft und die soziale Unangemessenheit dieses Kraftausdrucks zu erklären, führte nur dazu, dass sie ihn noch lauter durch das gesamte Haus rief. Ich stand da, mit zwei schweren Einkaufstüten, und wollte einfach nur unsichtbar sein. Übergänge im Alltag mit Kleinkind meistern ist eben eine Kunst für sich, besonders wenn die Haustür zur Bühne wird.

Ein Laptop-Bildschirm zeigt ein Videoseminar in einem dunklen Wohnzimmer am Abend.

Die Falle im Homeoffice: Wenn Ignorieren keine Option ist

Für mich als Alleinerziehende im Homeoffice bricht die Standard-Strategie des Ignorierens oft komplett zusammen. Wenn ich in einem wichtigen Videocall mit einem Verlag sitze und Mila neben mir steht und lautstark „Pipi-Gesicht“ ruft, gibt es keine räumliche Distanz, um die Provokation konsequent zu deeskalieren. Ich kann nicht einfach den Raum verlassen, wenn ich gerade über die Nuancen eines Manuskripts diskutiere.

An einem verregneten Dienstagnachmittag war es besonders schlimm. Jeder meiner Versuche, ruhig zu bleiben, wurde mit einer neuen Beleidigung garniert. Es war dieses Gefühl, völlig machtlos zu sein, während man gleichzeitig funktionieren muss. Ich habe an diesem Tag mehr als einmal kurz davor gestanden, einfach mitzuweinen. Einkaufen mit Kleinkind stressfrei gestalten ist das eine, aber den Alltag zwischen Schreibtisch und Schimpfwort-Attacken zu jonglieren, ist ein ganz anderes Level.

Sonntagabend-Erleuchtung: 28 Minuten, die alles änderten

Spät am Sonntagabend saß ich wieder mit meinem obligatorischen kalten Tee am Laptop. Mila schlief endlich, und ich starrte auf das bläuliche Flimmern des Bildschirms. Ich brauchte keine jahrelange Therapie, sondern schnelle Hilfe, die in meinen Zeitplan passt. Ich stieß auf das Trotzphase Videoseminar. Das Seminar ist 28 Minuten lang – genau die Zeit, die ich zwischen zwei ihrer Aufwachphasen erübrigen konnte.

Dieses Seminar gibt es schon seit 8.7 Jahren auf dem Markt, und was mir sofort half, war die Erkenntnis: Schimpfwörter sind für Mila in diesem Alter nur Werkzeuge. Sie testet ihre Wirksamkeit. Sie will mich nicht als Person verletzen, sie will sehen, was passiert, wenn sie diese „mächtigen“ Worte benutzt. Es ist wie eine neue Grammatik, die sie ohne Wörterbuch erkundet.

Vom Reagieren zum Agieren

Ich habe angefangen, meine Reaktionen zu verändern. Statt in eine Grundsatzdebatte einzusteigen, atme ich jetzt durch. Ich versuche, den Kern der Sache zu sehen – meistens ist sie einfach müde, hungrig oder fühlt sich gerade nicht gehört. Die Methode der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) ist dabei ein treuer Begleiter geworden.

Ich nutze jetzt oft Ansätze aus dem Programm Konfliktleichtigkeit für Familien, das auf einer Methode basiert, die schon 10 Jahre alt ist. Es geht darum, Sprache als Werkzeug zu nutzen, statt sich von ihr treffen zu lassen. Es braucht Übung – diese Ich-Botschaften fließen einem nicht einfach so aus dem Mund, wenn man gerade mit Tomatensoße bekleckst ist – aber es hilft.

Die Provokationen hören nicht von heute auf morgen auf. Gestern erst war wieder so ein Moment, in dem ich kurz davor war, laut zu werden. Aber ich habe mich an das Videoseminar erinnert. Verstehen ist der erste Schritt zur Gelassenheit. Auch wenn der Tee am Ende des Tages immer noch kalt ist und Mila gerade wieder beschlossen hat, dass Socken ihre persönlichen Feinde sind. Wenn du selbst gerade an diesem Punkt bist, schau dir das Trotzphase Videoseminar einfach mal an – es ist ein kleiner Anker in diesem stürmischen Meer aus „Nein!“ und „Blödmann!“.