
Es ist Sonntagabend, die Neustadt draußen ist endlich ein bisschen ruhiger geworden und ich sitze hier mit der Resthälfte meines kalten Tees. Mila schläft seit einer Stunde – nach einem Tag, der sich angefühlt hat wie eine einzige, endlose Verhandlung über die Existenzberechtigung von Socken. Aber das war nichts gegen den Moment letzten Mittwoch im Konsum an der Alaunstraße. Da stand ich mit meinem Korb, wollte eigentlich nur schnell die Zutaten für Milas geliebte Nudeln mit Pesto holen, als die Welt plötzlich stillstand. Mila wollte den Quetschi, ich sagte Nein – und dann geschah es: Sie holte tief Luft, riss den Mund weit auf, aber es kam kein Ton. Gar keiner. Und dann wurde ihr Gesicht innerhalb von Sekunden blau. Dunkelblau.
Ganz kurz vorab: In diesem Text sind ein paar Affiliate-Links versteckt. Wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es dich einen Cent mehr kostet. Ich empfehle hier nur Sachen, die ich nachts mit Augenringen selbst durchgearbeitet habe, während Mila endlich mal geschlafen hat. Meine vollständige Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.
Der Moment, in dem das Atmen aufhört
Als Literaturübersetzerin verbringe ich meine Tage damit, die perfekten Worte für französische Romane zu finden. Aber in diesem Gang zwischen Nudeln und Backzutaten hatte ich kein einziges Wort mehr. Ich dachte wirklich, sie erstickt. Es ist dieser eine schreckliche Moment, in dem das Kind vor Wut einfach aufhört zu atmen. Man nennt das einen Affektkrampf. Es ist kein bewusstes „Ich halte jetzt die Luft an, bis Mama nachgibt“, sondern ein reflexartiger Kurzschluss im Nervensystem.
Etwa 5% aller Kinder haben das wohl mal – ein statistischer Trost, der einem im Supermarkt genau gar nichts bringt. Da stehst du nämlich allein. Als Alleinerziehende gibt es keinen Partner, dem man den Korb in die Hand drücken kann, um mit dem Kind kurz rauszugehen. Da sind nur du, das Kind auf dem Boden, das blau anläuft, und die Blicke der Leute, die zwischen Mitleid und „Die hat ihr Kind nicht im Griff“ schwanken. Es fühlte sich an, als würde Mila sich innerlich ausschalten. Nach gefühlten Stunden (es waren wahrscheinlich kaum 30 Sekunden) sackte sie kurz in sich zusammen, holte schnappend Luft und fing an zu weinen. Ein lauter, befreiender Schrei. Ich hätte am liebsten mitgeweint. Eigentlich habe ich es auf dem Heimweg in der S-Bahn dann auch getan.
Zwischen Panik und Pädagogik: Was man wirklich tun kann
Nachdem dieser Vorfall Ende Juni zum ersten Mal passierte, habe ich mich nächtelang durch Foren und Fachartikel gewühlt. Die medizinische Seite beruhigt: Diese Krämpfe treten meist zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 6. Lebensjahr auf. Es ist kein Sauerstoffmangel, der das Gehirn schädigt, sondern eine kurze Fehlsteuerung. Aber wie geht man damit um, wenn man allein in der Wohnung oder eben in der Öffentlichkeit steht? Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass meine eigene Panik das Feuer nur schürt. Wenn ich schreie „Atme doch!“, verkrampft sie noch mehr.
Ich habe dann angefangen, nach konkreten Hilfen zu suchen, die nicht gleich ein ganzes Psychologie-Studium erfordern. Das erste, was ich mir geholt habe, war das Trotzphase Videoseminar. Das Schöne daran: Es dauert nur 28 Minuten. Das ist genau die Zeit, die ich habe, wenn ich ein Kapitel übersetzt habe und bevor Mila wieder wach wird. Das Programm ist schon seit 8.7 Jahren am Markt und das merkt man – es ist sehr praxisnah. Es hat mir geholfen zu verstehen, dass dieser „Reboot“ des Systems dazugehört, wenn die Gefühle einfach zu groß für den kleinen Körper werden.
Was mir in der Neustadt oft passiert: Der soziale Druck ist enorm. Wenn Mila sich auf die Straße wirft, weil wir nicht zur Eisdiele gehen, und dann blau anläuft, fühle ich mich oft wie eine Versagerin. Wir hatten neulich eine Situation, da wollte sie unbedingt keine Jacke anziehen, obwohl es regnete. Der Affektkrampf kam prompt im Hausflur. Früher hätte ich nachgegeben, nur damit sie wieder atmet. Heute weiß ich: Ruhe bewahren, sie sicher halten, damit sie nicht mit dem Kopf aufschlägt, und warten, bis das Gehirn sich wieder einschaltet.
Wenn die Worte fehlen: Kommunikation ohne Druck
Als Alleinerziehende ist die Erschöpfung oft mein ständiger Begleiter. Wenn ich müde bin, bin ich weniger geduldig, und wenn ich weniger geduldig bin, spürt Mila das sofort. Es ist ein Teufelskreis. An einem besonders schwülen Nachmittag im Juli ist es völlig eskaliert. Wir waren auf dem Weg zum Spielplatz, Mila wollte nicht an der Hand laufen, und als ich sie hochnehmen wollte, kam der nächste Krampf. Ich saß einfach nur auf dem Gehweg, Mila schlaff in meinem Arm, und habe auf die Hauswand gestarrt. In solchen Momenten hilft kein kluger Ratgeber über „Konfliktleichtigkeit“, da hilft nur Atmen. Mein eigenes.
Ich habe später gemerkt, dass es hilft, die Situationen vorher zu entschärfen. Nicht durch Nachgeben, sondern durch klare, kurze Ansagen. Ich nutze mittlerweile oft Ansätze aus dem Programm Konfliktleichtigkeit für Familien. Das ist eine Methode, die vor allem auf Sprache setzt – was mir als Übersetzerin natürlich liegt. Es geht darum, Gefühle zu benennen, bevor sie den Kessel zum Explodieren bringen. Wenn ich sehe, dass Milas Unterlippe zittert, sage ich: „Du bist gerade richtig wütend, oder?“. Manchmal hilft es, manchmal landet sie trotzdem blau angelaufen auf dem Teppich.
Mein Fazit: Es ist nur eine Phase (auch wenn sie blau ist)
Wir sind jetzt seit etwa zwei Monaten in dieser intensiven Phase. Ich lerne langsam, dass ich nicht die Schuld trage, wenn sie blau anläuft. Es ist ihr Weg, mit dieser riesigen Welt klarzukommen. Wenn du auch so ein „Blau-Anlauf-Kind“ hast, fühl dich gedrückt. Du bist nicht allein, auch wenn du gerade allein im Supermarkt stehst und die Leute starren. Es ist okay, wenn du danach erst mal eine Runde weinst. Ich mache das oft, während ich meinen Tee trinke.
Was mir wirklich geholfen hat, den Druck rauszunehmen, war das Verständnis für die Abläufe im Kopf. Wer wirklich keine Zeit für dicke Bücher hat, dem kann ich das Trotzphase Videoseminar ans Herz legen. Es gibt einem dieses kleine bisschen Sicherheit zurück, das man verliert, wenn das eigene Kind plötzlich aufhört zu atmen. Es ersetzt keinen Kinderarzt, wenn man sich wirklich Sorgen macht (bitte geht immer zum Arzt, wenn ihr unsicher seid!), aber es beruhigt die Eltern-Nerven ungemein.
Falls du tiefer einsteigen willst, wie man solche Gefühlsausbrüche begleiten kann, ohne selbst den Verstand zu verlieren, schau dir mal meine anderen Einträge an. Jetzt ist mein Tee endgültig eiskalt. Zeit für mich, das Licht auszumachen und zu hoffen, dass der morgige Tag weniger blaue Flecken auf der Seele hinterlässt. Wir schaffen das, irgendwie. Auch allein in der Neustadt.