Nachtschreck beim Kleinkind begleiten: Wenn Träume in der Trotzphase laut werden

2026.08.31
Nachtschreck beim Kleinkind begleiten: Wenn Träume in der Trotzphase laut werden

Es war ein später Dienstagabend, eigentlich die perfekte Stille über der Dresdner Neustadt, und ich saß an der ersten Seite meines neuen Übersetzungsprojekts – ein französischer Roman über die Einsamkeit in der Bretagne. Plötzlich zerriss ein markerschütternder Schrei die Ruhe meiner Wohnung, so schrill, dass ich fast den Tee über das Manuskript verschüttet hätte. Mila. Mal wieder.

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Ich rannte ins Zimmer, das Herz klopfte mir bis zum Hals. Mila saß aufrecht im Bett, die Augen weit offen, das Gesicht schmerzverzerrt, und sie schrie, als gäbe es kein Morgen. Aber sie sah mich nicht an. Sie sah durch mich hindurch. Wer das noch nie erlebt hat: Es ist gruselig. Man will helfen, man will trösten, aber da ist niemand, den man erreichen kann. Mila ist jetzt 43 Monate alt und steckt seit zwei Monaten in einer Phase, in der jeder Schuh im Flur eine Staatskrise auslöst – und nun scheinen die Emotionen des Tages nachts als Nachtschreck zurückzukommen.

Wenn die analytische Lösung am Kind scheitert

Als Literaturübersetzerin versuche ich Probleme oft wie einen schwierigen Text zu lösen: Analysieren, im Wörterbuch nachschlagen, die perfekte Wendung finden. In den ersten drei Wochen dieser Vorfälle suchte ich verzweifelt nach Mustern. War der Nachmittag zu wild? Hatte sie zu wenig getrunken? Ich habe sogar das Trotzphase Videoseminar geschaut, das ich mir ganz am Anfang gekauft hatte. Es dauert nur 28 Minuten – perfekt für die Zeit zwischen zwei Wäscheladungen – und hat mir zumindest geholfen zu verstehen, dass ihr Gehirn gerade eine riesige Baustelle ist.

Ein nächtliches Kinderzimmer im fahlen Mondlicht mit einem Teddybär auf dem Boden.

Aber in der Nacht hilft keine Theorie. Mein größter Fehler war am Anfang, dass ich Mila panisch wachschütteln wollte. Ich dachte, sie hätte furchtbare Schmerzen oder einen Albtraum, aus dem ich sie retten müsste. Das Ergebnis? Der Schrei-Anfall verlängerte sich massiv, sie wurde noch wilder, schlug um sich und ich saß weinend daneben, weil ich mich wie die schlechteste Mutter der Welt fühlte. Ein Nachtschreck passiert meistens im ersten Drittel der Nacht, wenn das Kind vom Tiefschlaf in den Traumschlaf wechselt und dabei irgendwie hängen bleibt.

Manchmal erinnert mich das an meine Arbeit: Wenn ich eine französische Metapher einfach nicht ins Deutsche kriege, egal wie sehr ich am Satz rüttele. Man muss manchmal loslassen und warten, bis sich der Knoten von selbst löst. Falls dein Kind tagsüber ähnlich intensiv reagiert, kennst du vielleicht auch das Problem, wenn das Kleinkind vor Wut blau anläuft – nachts fühlt sich diese Hilflosigkeit aber noch zehnmal einsamer an.

Die Realität als Alleinerziehende: Wer tröstet eigentlich mich?

Was in den Ratgebern oft fehlt, ist die Perspektive für uns Alleinerziehende. Da steht dann: 'Wechseln Sie sich mit Ihrem Partner ab.' Ja, danke für nichts. Wenn Mila schreit, gibt es nur mich. Vor ein paar Tagen beim Teetrinken mit einer Freundin aus meinem Alleinerziehenden-Netzwerk sprachen wir darüber, wie unmöglich das erst sein muss, wenn man mehrere Kleinkinder hat. Wenn ein Kind nachts den Pavor nocturnus hat und das Geschwisterkind davon aufwacht und ebenfalls anfängt zu brüllen. Da stößt jede pädagogische Empfehlung an ihre Grenzen.

Ich hocke dann oft auf dem Dielenboden, das bläuliche Licht der Straßenlaterne wirft lange Schatten ins Zimmer, und es riecht nach kaltem Pfefferminztee, den ich eigentlich noch warm trinken wollte. Das heftige Pochen in meinen Schläfen und das Zittern der Hände hören erst auf, wenn die plötzliche Stille eintritt. Denn das ist das Verrückteste: Nach zehn oder fünfzehn Minuten legt sie sich einfach wieder hin, atmet tief und schläft weiter, als wäre nichts gewesen. Und ich? Ich bin hellwach und brauche zwei Stunden, um mein Nervensystem wieder runterzufahren.

Eine Hand hält eine Tasse kalten Tee in einem dunklen Flur.

Was uns wirklich durch die Nächte hilft

Nachdem ich gemerkt habe, dass 'Aktionismus' alles schlimmer macht, bin ich bei der Konfliktleichtigkeit für Familien gelandet. Das ist eine Methode, die auf Gewaltfreier Kommunikation basiert. Es geht weniger um starre Regeln, sondern um Sprache als Werkzeug. Ich habe gelernt, dass meine bloße, ruhige Präsenz – ohne Rütteln, ohne lautes Einreden – der Anker ist, den Mila braucht.

Ich sage mir jetzt nachts oft leise vor: 'Ich bin da. Du bist sicher.' Ich versuche, die Energie aus dem Raum zu nehmen. Es ist absurd: Tagsüber übersetze ich komplexe französische Metaphern, aber nachts verstehe ich die einfachsten Signale meines eigenen Kindes nicht sofort. Aber durch den Fokus auf Kommunikation statt auf 'Erziehung' wurden die Nächte friedlicher. Wenn du auch gerade an deine Grenzen stößt, schau dir vielleicht mal an, wie das Elternförderprogramm mir im Alltag hilft, das seit etwa 1.6 Jahren auf dem Markt ist und eine gute Struktur bietet.

Sonnenaufgang über Dresden mit einem Spielzeugauto auf dem Fenstersims.

Ein müder Blick auf die Elbe

Heute Morgen habe ich mit einer Tasse Kaffee am Fenster gestanden und zugesehen, wie die Sonne über der Elbe aufging. Mila hat beim Frühstück schon wieder diskutiert, warum sie heute keine Socken anziehen will – die ganz normale Trotzphasen-Logik eben. Ich bin müde, ja. Aber ich fange an zu akzeptieren, dass diese lauten Träume und die wilden Tage einfach Teil unseres gemeinsamen Wachsens sind. Wir lernen beide gerade eine neue Sprache, für die es kein Wörterbuch gibt.

Wenn du merkst, dass du nachts nur noch funktionierst und tagsüber die Geduld verlierst, kann ich dir die Methode der Konfliktleichtigkeit wirklich ans Herz legen. Es nimmt diesen Druck raus, alles 'perfekt' machen zu müssen, und gibt dir Worte, wenn dir eigentlich nur nach Schreien zumute ist. Wir schaffen das, auch wenn der Tee mal wieder kalt wird.